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Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.
30.09.2011 (aktualisiert am 30.09.2011)

Was passiert gerade im Leipziger Auwald?

Was passiert gerade im Leipziger Auwald? Die Fällungen zu Jahresbeginn an und auf den Deichen im Leipziger Stadtwaldgebiet sind den meisten sicherlich noch (un)gut in Erinnerung. Und schon erreichen uns neue Hinweise und Hilferufe, dass bereits wieder diverse Fällungen und Arbeiten stattfinden. Was steckt dahinter?

Wie sind diese Tätigkeiten einzuschätzen? Kann/Sollte der vor Gericht klagende Ökolöwe dagegen nichts tun? An dieser Stelle wollen wir ein wenig zur Aufklärung beitragen. 

Die stattfindenden Arbeiten werden von zwei nicht miteinander verbundenen Behörden durchgeführt - von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) und dem Stadtforstamt Leipzig (FoA). Bei der LTV geht es weiterhin um die Deiche und deren Hinterland - beim FoA dagegen um die alljährliche Bewirtschaftung der Wälder.

Was macht die LTV aktuell im Stadtgebiet?

Nach den ökologisch desaströsen Fällungen im Winter, die der Ökolöwe durch eine detaillierte Analyse und eine Feststellungsklage fachlich und juristisch nachbegleitet, verblieben mehrere tausend Baumstubben und Wurzeln im Erdreich. Diese konnte man in der kopflosen Eile, die an den Tag gelegt wurde, nicht mehr zeitnah entfernen, um danach den jeweiligen Deich zu sichern.

Dies geschieht nun an den verschiedenen Fällabschnitten im Leipziger Gebiet. An manchen Stellen haben die Arbeiten bereits begonnen, andere werden folgen; im nächsten Frühjahr soll es abgeschlossen sein. Weitere bauliche Maßnahmen an den Deichen sind nach unseren Informationen nicht geplant. Die Wurzelrodungen finden an folgenden Flußabschnitten statt: Weiße Elster (Elsterhochflutbett rechts, Elsterflutbett links, Elsterbecken links), Neue Luppe links, Nahle links sowie Kleine Luppe links und rechts.

In manchen abgeholzten Bereichen werden zudem Bauwege angelegt (z.B. am Elsterhochflutbett). Sie dienen nach Aussage der LTV u.a. dazu, geplante Deichschlitzungen für die Vernässung des dahinterliegenden Auwalds vorzubereiten. Dass vor diesen Schlitzungen ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird, welches einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte und dennoch schon jetzt die Wege angelegt werden, verwundert schon etwas. Auch werden in der Burgaue ähnliche Wege auf den Streifen hinter den Deichen angelegt, die nun eben baumfrei sind - ohne dass sie eine konkrete Funktion hätten. Diesbezüglich werden wir natürlich weiter nachstochern und informieren.


Welche Maßnahmen führt der Stadtforst durch?

Die alljährlichen waldbaulichen Maßnahmen des FoA dienen grundsätzlich dem Waldumbau, welcher zwingend notwendig ist, um den Stadtwald (wovon ein großer Teil Auwald ist) in der ökologischen Wertigkeit zu steigern. Dies passiert v.a. indem die dem eigentlichen Biotoptyp Auwald zugehörigen Baumarten in gemischter Altersklassenzusammensetzung gefördert werden. Dieser generationsübergreifende Prozess steht in völliger Übereinstimmung mit den Zielen und Ansichten des Ökolöwen und anderer Umweltverbände.

In diesem Jahr steht vor allem die Eichenförderung im Vordergrund, wie auch die Pressemitteilung der Stadtverwaltung darlegt. Zusätzlich zu den "normalen" Umbaumaßnahmen wird auf einer kleinen Fläche der Burgaue die in den Auwäldern historisch verbürgte Mittelwaldwirtschaft reaktiviert, um eben jene Effekte der Eichenförderung auf anderem Wege zu erreichen. Alle zwei Jahre wird ein Teilbereich umgewandelt, bis man nach 24 Jahren (und zwölf "Durchgängen") eine vollständige Rotation erreicht hat. Im aktuellen Herbst/Winter wird es um eine Fläche von 1,1 ha gehen, was - wie alle anderen Maßnahmen des FoA - im Forstwirtschaftsplan nachzulesen ist. Wer noch mehr Infos dazu erhalten möchte, kann sich natürlich direkt an das FoA wenden.

Und was ist nun mit der Klage?

Unsere Klage gegen den Freistaat Sachsen richtet sich gegen den landesweiten Erlass, welcher den überzogenen und planerisch wie fachlich unnötigen Fällungen im Januar und Februar dieses Jahres zu Grunde liegt. Dieses Verfahren ist weiterhin beim Verwaltungsgericht in Dresden anhängig und wird dort intensiv bearbeitet. Entschieden ist in der Sache noch nichts, wir hoffen aber, dass in den nächsten Monaten eine Reaktion des Gerichts zu vermelden ist und es dann ggf. in die mündliche Verhandlung geht.

Die Klage hat bislang noch keine aufschiebende Wirkung erzielt. Derzeit sind uns allerdings auch keine weiteren Fällvorhaben an Gewässern in Sachsen bekannt. Man wird sehen, wie es dann im Winter weitergeht und wie die LTV und Kommunen agieren, wenn die "Hochwassersaison" ansteht. Wir bleiben daher wachsam, sind aber für Hinweise sehr dankbar, denn der Ökolöwe kann leider nicht in ganz Sachsen stets vor Ort sein. Wer Hinweise oder Fragen hat, kann sich daher einfach bei uns melden! 


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